Ackermann will nicht Chefaufseher bei Siemens werden

Entgegen allen Spekulationen und Gerüchten möchte der ehemalige Deutsche Bank Chef Josef Ackermann den Siemens Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme nicht beerben. Er wolle kein Königsmörder sein, war am Samstag im Handelsblatt zu lesen. Cromme und Ackermann sind seit 2003 Mitglieder des Aufsichtsrats der Siemens AG, Cromme in der Funktion des Vorsitzenden, Ackermann als dessen 2. Stellvertreter. Bis März dieses Jahres führte Cromme auch den Aufsichtsrat des Stahlkonzerns ThyssenKrupp an. Nachdem er zu Jahresbeginn jedoch stark in Kritik geraten war, erklärte er am 8. März seinen Rücktritt: „In Verantwortung für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Aktionäre möchte ich nach zwölf Jahren als Vorsitzender mit diesem Schritt auch im Aufsichtsrat einen personellen Neuanfang ermöglichen. Ich wünsche dem Unternehmen, dass es wie in der über 200jährigen Geschichte auch aus der derzeitigen Krise gestärkt hervorgeht.“

Grund für die Kritik an Cromme waren – neben Korruptionsvorwürfen und Luxusreisen auf Firmenkosten – Fehlinvestitionen, die dem Konzern Milliardenverluste bescherten. Zusätzlich hatte das Unternehmen mit einem Prozess wegen Kartellverstößen und Schadenersatzforderungen in dreistelliger Millionenhöhe zu kämpfen. Der Vertrauensverlust und Unmut traf daher nicht nur Chefaufseher Cromme. Sein Ausscheiden bei ThyssenKrupp zieht nun allerdings Spekulationen nach sich, er könne auch sein Amt im Kontrollgremium des Technologierkonzerns Siemens niederlegen. Ackermann, der als sein Nachfolger gehandelt wird, steht hinter dem promovierten Juristen und dementiert jegliche Gerüchte dieser Art. Ackermann ist neben seiner Funktion im Kontrollgremium von Siemens noch Präsident des Verwaltungsrats der Zurich Insurance Group AG. Vor einem Jahr trat er den Vorsitz der Deutschen Bank an Jürgen Fitschen und Anshu Jain ab. Da er nicht alle Aktionäre auf seiner Seite hatte, verzichtete er dort auf den Einzug in den Aufsichtsrat.