Archiv für den Monat: Juli 2013

Wer wird Chefaufseher des Berliner Chaosprojektes BER?

Noch immer unklar wann es losgeht. Nun braucht der BER einen neuen Chefaufseher.  (Quelle: Björn Rolle, Flughafen Berlin Brandenburg)

Noch immer ist unklar wann es losgeht. Nun braucht der BER einen neuen Chefaufseher. (Quelle: Björn Rolle, Flughafen Berlin Brandenburg)

Das Debakel um den Hauptstadtflughafen BER nimmt kein Ende. Mehr als ein Jahr nach der ursprünglich geplanten Fertigstellung ist immer noch keine Eröffnung in Sicht. Der Aufsichtsrat zieht daraus nun Konsequenzen und hat den im Januar beurlaubten Flughafenchef Rainer Schwarz fristlos entlassen. Gemeinsam mit dem früheren Technikchef Manfred Körtgen soll er auf Schadensersatz verklagt werden. Der Vorwurf: Sie haben den Aufsichtsrat nicht rechtzeitig darüber informiert, dass der geplante Eröffnungstermin – der 3. Juni letzten Jahres – unmöglich einzuhalten ist. Den Vorsitz der Geschäftsführung übernahm dann im März 2013 der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn.

Matthias Platzeck tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück

Nicht nur in der Geschäftsführung, auch im Aufsichtsrat gibt man sich die Klinke die Hand. Ebenfalls im Januar dieses Jahres hatte sich Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg, an den Posten als Aufsichtsratschef des glücklosen Flughafenprojektes gewagt und damit den regierenden Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit abgelöst. Sein Ziel war es, so schnell wie möglich einen verlässlichen und erfolgreichen Fahrplan bis zur Flughafeneröffnung zu erarbeiten. „Dafür sind harte Entscheidungen und eine stärkere Kontrolle des Unternehmens durch den Aufsichtsrat nötig,“ bekundete er, dass er weiß, worauf er sich einlässt. Weiterlesen

Braucht europäische Corporate Governance mehr Ethik?

Ethik in Aufsichtsräten und Vorständen ist ein heikles Thema. Immer wieder kochen die Debatten um Bilanzfälschungen, zu hohe Vergütungen der Manager bei gleichzeitigem Arbeitsplatzabbau hoch. Aber wie kann gewinnorientierte Unternehmensführung mit moralischen Werten wie Verantwortung, Menschlichkeit oder Fairness in Einklang gebracht werden?

Diese Frage ist zu einer europäischen Problemstellung geworden. Am Londoner Institute of Business Ethics (ibe) ist – in Kooperation mit der European Confederation of Directors Associations (ecoDa) – eine Publikation zum Thema Ethik in der Unternehmensführung entstanden. Die Forschungsergebnisse, die in dem Bericht A Review of the Ethical Aspects of Corporate Governance Regulation and Guidance in the EU zusammengefasst sind, wurden am 2. Juli auf der Konferenz Does EU Corporate Governance needs more ethics?“ in Brüssel vorgestellt und diskutiert.

Bereits 2005 widmeten sich Anselm Bilgri und Konrad Stadler von Anselm Bilgri & Partner in einem Gastkommentar für das Magazin Der Aufsichtsrat genau dieser Frage, „Die moderne Unternehmensethik setzt auf Spielregeln. In einem Ethikkodex verpflichten sich Unternehmen zur Einhaltung bestimmter Werte. Weiterlesen

Regine Stachelhaus übernimmt Aufsichtsratsmandat bei Systemhaus Computacenter

Von ihrem Vorstandsposten beim Energiekonzern E.ON, den sie zum 30. Juni dieses Jahr aus persönlichen Gründen niedergelegt hat, ist Regine Stachelhaus nahtlos in den Aufsichtsrat des Systemhauses Computacenter gewechselt. Der IT-Dienstleister holt sich damit eine der erfolgreichsten deutschen Managerinnen in sein Kontrollgremium. Ein großes Plus: Sie bringt Branchen-Know-how mit. Der häufig aufflammenden Diskussion, dass deutsche Aufsichtsräte zu wenig Fachkompetenz mitbringen, ist damit schon mal vorgebeugt.

Man könnte es als eine Art Rückkehr in die IT-Branche bezeichnen. Denn bevor Regine Stachelhaus zu Unicef und dann zu E.ON wechselte, war sie viele Jahre bei Hewlett-Packard tätig. Das 1939 gegründete Unternehmen gehört zu den umsatzstärksten in der IT-Branche und war die erste Technologierfirma im Sillicon Valley. Nach 14 Jahren in einem solchen Unternehmen kann man ihr wohl umfassende Branchenkenntnis bestätigen. Und in ihrer Zeit als Deutschlandchefin von HP hat sie bereits eng mit Computacenter zusammengearbeitet. Sie kennt Deutschlands größtes Systemhaus also schon seit Langem. Bei E.ON war die studierte Juristin als Personalvorstand tätig, betreute aber auch die Bereiche Recht und Compliance, Konzerneinkauf, Immobilien-Management sowie IT und Beratung.

Als Regine Stachelhaus 2010 in den E.ON Vorstand einzog, war sie eine von 3 Frauen, die es bis dahin an die Spitze eines DAX 30 Konzerns geschafft hatte. Anfang dieses Jahres waren es immerhin schon 15. Sie selbst lehnt eine Frauen-Quote ab, da sie sie für kontraproduktiv hält. Sie favorisiert ein „organisches“ Vorgehen.

Gleichzeitig mit dem Einzug der neuen Aufsichtsrätin verlässt Computacenter-Chef Oliver Tuszik das Unternehmen und wechselt zu Cisco, einem der größten Lieferanten von Computercenter.