Archiv für den Monat: August 2013

Manfred Gentz: Eine europäische Regelung zur Corporate Governance wird es vorerst nicht geben

Der designierte Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, Dr. Manfred Gentz, erklärt im Interview mit aufsichtsrat-welt.de, warum die Kommission auch in Zukunft wichtige Arbeit für die Corporate Governance in Deutschland leisten wird und warum die Managervergütung allein Entscheidung des Aufsichtsrates sein sollte.

Dr. Manfred Gentz ist Präsident der Internationalen Handelskammer Deutschland und Mitglied der Regierungskommission DCGK

Dr. Manfred Gentz ist Präsident der Internationalen Handelskammer Deutschland und Mitglied der Regierungskommission DCGK

BASF-Chef Kurt Bock hat kürzlich die Meinung vertreten, dass es an der Zeit sei, die Regierungskommission Corporate Governance aufzulösen. Wie sehen Sie das?

Manfred Gentz: Ich habe den Eindruck, dass die Kritik an der Corporate Governance Kommission, die in den vergangenen Jahren zum Teil sehr lebhaft und sehr breit gestreut gewesen ist, deutlich nachgelassen hat und die Akzeptanz der Arbeit der Kommission signifikant gestiegen ist. Ich denke, die Einstellung von Herrn Bock ist auch heute – jedenfalls bei den Dax-Unternehmen – eher eine Außenseitermeinung. Die überwiegende Zahl der Aufsichtsräte und Vorstände von Dax-Unternehmen sind der Meinung, die Corporate Governance Kommission sollte beibehalten werden. Was nicht heißt, dass man alles, was in der Vergangenheit gemacht worden ist, unverändert weiterführt, sondern es heißt nur, dass die Institution erhalten werden sollte.

Sie sehen die Kommission also als eine Dauerinstitution, die es auch in 20 Jahren noch gibt?

Manfred Gentz:  Ich will mich nicht auf Jahre festlegen. Solche Dinge verändern sich. Aber wir haben für die nächsten Jahre noch eine wichtige Funktion in Sachen Corporate Governance in Deutschland. Und ich denke wirklich in Deutschland, auch wenn wir immer wieder in europäischen Kategorien denken müssen. Europa spielt in Sachen Corporate Governance auch eine große Rolle. Aber so lange wir unterschiedliche Unternehmensstrukturen in den einzelnen europäischen Ländern haben, werden wir auch keine einheitliche Regelung von Corporate Governance in Europa haben.

Wird Ihnen nicht von Seiten der EU-Kommission viel aus den Händen genommen?

Manfred Gentz: Es gibt viele interessante Vorstöße von Seiten der EU-Kommission. Da wird auch viel gearbeitet, es gibt immer wieder neue Initiativen. Ich denke, wir müssen das auch von der deutschen Kommission und von der deutschen Öffentlichkeit her aufmerksam verfolgen. Ob es auf europäischer Ebene wirklich zu einer Verabschiedung eines Rahmenwerkes europäischer Corporate Governance kommt, muss man abwarten. Weiterlesen

Women-on-Board-Index – Ernüchterndes Ergebnis nach 12 Jahren

Frauen in die Aufsichtsräte – diese Forderung ist gleichzeitig der Name des 2006 gegründeten Vereins FidAR e.V., der sich für die nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in deutschen Aufsichtsräten einsetzt. Auch in diesem Jahr hat die Initiative wieder den Women-on-Board-Index (WoB-Index) herausgegeben, der als Grundlage dient, um die Entwicklung des Frauenanteils in den Führungspositionen deutscher DAX-Unternehmen zu beurteilen.

women on board, wob-index (Grafik)

Der Anteil weiblicher Aufsichtsräte ist noch immer deutlich unter 20 Prozent. Betrachtet man nur die Anteilseignerseite sieht es noch sehr viel schlechter aus. Quelle: FidAR, WoB-Index 2013

Alle 160 börsennotierten Unternehmen – DAX, MDAX, SDAX, TecDAX – wurden zum Thema Frauen in Spitzenpositionen, also Aufsichtsrat und Vorstand befragt. Das Ergebnis ist laut FidAR ernüchternd. Ganze 12 Jahre nach der Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft, ohne Druck und Gesetze einen größeren Frauenenteil zu erzielen, liegt der kumulierte Anteil weiblicher Führungskräfte noch immer bei nur 11, 1 Prozent. Ein Zuwachs von 4,6 Prozent in den letzten zwei Jahren, seit Einführung des WoB-Index, ist den Initiatoren zu wenig, die 20, 30 oder gar 40 Prozent noch in viel zu weiter Ferne. Weiterlesen