Corporate Governance: Arbeitserleichterung für Aufsichtsrat und Vorstand

Gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung, gerade für börsennotierte Unternehmen, die sich im Fokus internationaler Investoren befinden, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dem Aufsichtsrat wird immer mehr Verantwortung zugetragen, wodurch der Anspruch an die Kompetenzen der Aufsichtsräte steigt. Um den Unternehmen einen Leitfaden zur Verfügung zu stellen, welche nationalen und internationalen Standards bei der Unternehmensführung eingehalten werden sollten, wurde der Deutsche Corporate Governance Kodex entwickelt. Er soll außerdem die Transparenz für in- und ausländische Investoren erhöhen.

Checkliste für die gute Unternehmensführung

Der Kodex enthält Empfehlungen – diese sind mit dem Wort „soll“ gekennzeichnet – und Anregungen, die durch den Begriff „sollte“ kenntlich gemacht sind. Nach dem Prinzip „comply or explain“ müssen die Unternehmen, die einer Empfehlung nicht nachkommen, dies offenlegen und begründen, warum sie abweichen. Für Anregungen gilt dies nicht. Dieses komplexe System im Auge zu behalten, ist für Manager und Kontrolleure eine zusätzliche Belastung. CMS Hasche Sigle, ein Verbund aus Steuerberatern und Anwälten hat zu diesem Zweck eine Checkliste zum Deutschen Corporate Governance Kodex herausgegeben. Alle Vorschriften zur Leitung und Überwachung börsennotierter Unternehmen, die in der neuesten Version des Kodex vom Mai 2013 festgehalten sind, finden hier Berücksichtigung. Insgesamt wird die Beachtung von 92 Empfehlungen und 7 Anregungen in der Checkliste abgefragt. Für die Unternehmen entsteht eine schnelle Übersicht, wo eventuell Defizite in puncto Corporate Governance liegen.

Anerkanntes Instrument der Selbstregulierung

Die Regierungskommission, die 2001 bestellt wurde, um den Kodex zu erarbeiten, machte in den vergangenen Monaten oft von sich reden – keiner wollte den Vorsitz übernehmen, die Finanzierung des Gremiums ist ungeklärt und manche möchten sie gern abschaffen, wie BASF-Chef Kurt Bock. Der scheidende Kommissionsvorsitzende Klaus-Peter Müller wusste in seiner Rede auf der 12. DCGK Konferenz unter dem Motto Nationale Regeln in globalen Märkten zu berichten: „Der Kodex ist als anerkanntes Instrument der Selbstregulierung der deutschen Wirtschaft fest etabliert.“ Die Arbeit der Kommission ist deswegen aber noch nicht getan. Sie wird den Kodex „behutsam weiterentwickeln.“ Denn der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank gab auch zu bedenken, dass nationale Regeln zunehmend ins Spannungsfeld mit europäischen und globalen Entwicklungen geraten. Eine einheitliche Regelung wird also noch sehr lange auf sich warten lassen. Das prognostizierte auch Manfred Gentz, der als Nachfolger für den Vorsitz der Kommission vorgesehen ist, im Interview mit Aufsichtsrat-Welt.