Sonderprüfung als Zeichen guter Corporate Governance

Im Juli dieses Jahres hatte der angeschlagene Konzern Thyssen Krupp bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW) eine freiwillige Sonderprüfung in Auftrag gegeben. Diese soll zur Aufklärung beitragen, was an den Kartell- und Korruptionsvorwürfen dran ist, die den Stahlriesen in die Krise gestürzt haben. Zusätzlich zu den Schadensersatzzahlungen wegen des Schienenkartells trüben Milliardenverluste mit Stahlwerken in Brasilien und den USA seit langem die Stimmung – vor allem die der Aktionäre, da eine Dividendenausschüttung vermutlich zum zweiten Mal in Folge ausbleiben wird. Mittlerweile musste der halbe Vorstand den Konzern verlassen.

Kartell- und Korruptionsvorwürfe, Milliardenverluste in Übersee. Das Traditionsunternehmen ThyssenKrupp kommt nicht aus der Krise. (Bild: http://media.thyssenkrupp.com/images/press/thyssenkrupp_p_888.jpg)

Kartell- und Korruptionsvorwürfe, Milliardenverluste in Übersee. Das Traditionsunternehmen ThyssenKrupp kommt nicht aus der Krise. (Bild: http://media.thyssenkrupp.com/images/press/thyssenkrupp_p_888.jpg)

Der Antrag auf Sonderprüfung ging von der DSW und dem Aktionär Christian Strenger aus und wurde zunächst im Januar 2013 abgelehnt. Mitte des Jahres einigte man sich dann doch auf eine unabhängige Aufklärung durch die BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und den Frankfurter Wirtschaftsprofessor Prof. Dr. Hans-Joachim Böcking. DSW Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler befürwortet diesen Schritt als ein klares Signal und spricht von einem Kulturwandel. Hauptziel ist die Prüfung des Überwachungssystems zur Prävention von Compliance-Verstößen sowie die Beurteilung des Investitionscontrolling.

Nun liegen die Ergebnisse dieser Sonderprüfung vor. In einer Stellungnahme des Stahlkonzerns heißt es, ThyssenKrupp sei mit der „Weiterentwicklung des internen Überwachungs- und des Compliance-Management-Systems auf dem richtigen Weg“. Vorgaben für die Freigabe von Großinvestitionen mit einer Summe von mehr 25 Mio. Euro wurden von den Prüfern positiv bewertet. Zur weiteren Verbesserung des Investitionscontrollings wurde eine stärkere Präsenz der Internen Revision im Prüfungsausschuss vorgeschlagen. Ein weiterer Gegenstand der Prüfung war die regelmäßige Berichterstattung an den Aufsichtsrat über die relevanten Themen, die mit den Problemen und Vorwürfen gegen den Konzern in Verbindung stehen. In der Stellungnahme heißt es, dass ein regelmäßiger Bericht über Soll-Ist-Analysen an den Prüfungsausschuss bereits erfolgt. Auf Empfehlung der Prüfer wird dieser Punkt nun auch in der Geschäftsordnung verankert. Außerdem werden Monatsberichtserstattungen künftig dem Prüfungsausschussvorsitzenden zur Verfügung gestellt.