Aufsichtsräte in Familienunternehmen

Die Wirtschaftsprüfgesellschaft BDO AG und das Magazin Der Aufsichtsrat führen regelmäßige Befragungen von 30 bis 50 Mitgliedern von Aufsichtsräten, Verwaltungsräten und Beiräten durch – Aufsichtsrat-Panel. In der 13. Befragung standen die Familienunternehmen im Fokus, die sich in vielen Merkmalen von großen DAX Konzernen unterscheiden. Welche Unterschiede gibt es in der Kultur der Aufsichtsräte und Beiräte?

Der Panel-Befragung stellten sich insgesamt 48 Teilnehmer, die zusammen aus 183 Unternehmen berichten konnten. Hier zeigt sich, dass auch in den Kontrollgremien der Familienbetriebe Mehrfachmandate der Regelfall sind. Mehr als 90 Prozent der Befragten haben einen Vorsitz oder stellvertretenden Vorsitz inne. Insgesamt zeichnet sich ein sehr positives Bild der Befragten über ihre Arbeit mit dem Familienunternehmen ab. Verbessert werden sollte lediglich die zum Teil wenig systematische Informationsversorgung der Gremienmitglieder. In puncto Qualifikation und Haftung möchte die Mehrheit keine Unterscheidung zu den Aufsichtsräten der managergeleiteten Firmen. Einige Befragte sehen allerdings das Risiko – vor allem durch ein enges Verhältnis der Gremienmitglieder untereinander und zur Inhaberfamilie ein begrenztes oder gar fehlendes Haftungs- und Verantwortungsbewusstsein.

Ob Aufsichts- oder Beirat, in den meisten familiengeführten Betrieben ist die Beratung die Hauptfunktion, die diese ausüben. Kontrolle und Überwachung steht, im Gegensatz zu den managergeführten Unternehmen, eher im Hintergrund, zeigen die Ergebnisse der Befragung. Das Verhältnis zwischen Aufsichtsrat und Führungskräften wird als sehr kooperativ wahrgenommen. Der Einfluss, den die Mandatsträger auf Unternehmensentscheidungen ausüben können, ist in den Familienbetrieben allerdings geringer.

Auf einen Aufsichtsrat oder Beirat verzichten, der idealerweise mit externen Experten und nicht ausschließlich mit Familienmitgliedern besetzt ist, sollte ein Familienunternehmen allerdings trotzdem nicht. Unabhängig davon, ob ein Aufsichtsrat gesetzlich vorgeschrieben ist – also Aktien des Unternehmens am Kapitalmarkt notiert sind – oder nicht, kann ein solches Gremium den Unternehmenserfolg steigern, sagt Dr. Peter Bartel, Vorstandsmitglied bei PwC. Voraussetzung ist eine verantwortungsvolle Besetzung des Aufsichtsrates, damit er unter anderem der Anforderung nach Expertise in Rechnungslegung gerecht wird.