Teure Fluktuation in deutschen Vorstandsetagen

Die Auswahl und Berufung der Vorstandsmitglieder ist eine der Hauptaufgaben des Aufsichtsrates. Dass dies nicht immer eine leichte Aufgabe ist, zeigt eine Marktbeobachtung der Personalberatung Rochus Mummert. Die jährlichen Vorstandswechsel haben sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.

Fehlbesetzungen von Vorstandsposten

Immer häufiger kommt es zu Fehlbesetzungen von Vorstandsposten. Das kann für das Unternehmen teuer werden.

Und diese Fluktuation ist nicht allein auf das geplante Ausscheiden der Top-Manager aufgrund auslaufender Verträge zurückzuführen. Oft sind es ungewollte Führungswechsel, die Folge einer Fehlbesetzung sind. Im Jahr 2013 erfolgten insgesamt 19 Prozent der CEO-Wechsel ungeplant. Als Grund dafür werden übereilte Entschlüsse des Aufsichtsrates genannt. Die Besetzung so wichtiger Positionen wie der Vorstandsposten bedarf gründlicher Vorbereitung. Diese Verantwortung, sich ausreichend Zeit zu nehmen bei der Nachfolgeplanung, Anforderungen an die neuen Vorstände klar zu definieren und dann den richtigen Kandidaten zu wählen, müssen die Kontrolleure unbedingt wahrnehmen – auch wenn es der Zeitdruck manchmal scheinbar nicht zulässt.

Denn eine Fehlbesetzung in der Führungsetage hat für das Unternehmen kurz- und mittelfristig viele negative Folgen. Diese sind hauptsächlich finanzieller Natur. Schon bei einem Mittelständler können die Kosten im Millionenbereich liegen. Hinzu kommen indirekte Folgen durch eine Verunsicherung von Investoren und Mitarbeitern bis hin zu dem Verlust von Schlüsselkunden. Weiterhin kann die zukünftige Besetzung von Top-Positionen für die jeweilige Firma noch schwieriger werden.

Vor allem weibliche Managerinnen verlassen ihren Vorstandsposten ungewöhnlich schnell. Fehlentscheidungen werden hier möglicherweise durch die bevorstehende Frauenquote getriggert. Diese existiert zwar so für Vorstände noch nicht, aber die Wirtschaft sieht sich in puncto Frauenförderung stark im Zugzwang. Aktiv den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu erhöhen ist für Unternehmen heutzutage eine unerlässliche Imagepflege.

Einen gezielten Blick sollten die Aufsichtsräte auf die interne Besetzung des Vorstandes richten. Studien zeigen, dass das Ausfallrisiko nur halb so groß ist wie bei einer voreiligen Verpflichtung eines Retters von außen.