Aufsichtsrat in öffentlichen Projekten – wer ist geeignet?

Großprojekte im öffentlichen Sektor funktionieren etwas anders als in der Privatwirtschaft. Geldgeber, gegenüber denen man zur Rechenschaft verpflichtet ist, sind nicht nur die Aktionäre, sondern in der Regel alle Steuerzahler. Der Druck ist groß, die Bezahlung hingegen verschwindend gering. Wer ist in diesem Fall der ideale Kandidat für den Aufsichtsratsposten?

Elbphilharmonie in Hamburg (Baustelle)

Öffentliche Projekte scheitern ungewöhnlich oft. Ein Teil der Verantwortung dafür liegt beim Aufsichtsrat.

Die Anforderungen an die Geschäftsführung und deren Aufsichtsrat sind in einem Unternehmen der öffentlichen Hand ähnlich denen eines Großkonzerns. Häufig sind die Summen, mit denen in solchen Projekten hantiert wird, noch schwindelerregender als in privaten Unternehmen. Für das Gelingen eines solchen Projektes Verantwortung zu tragen, erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, Erfahrung und Risikobereitschaft. Dem gegenüber steht eine Bezahlung, die um ein Vielfaches kleiner ist, als in einem DAX-Konzern. Für die Aufsichtsräte handelt es sich mehr um eine Aufwandsentschädigung.

Immer wieder kommt es zum Scheitern solcher öffentlichen Großprojekte – Stuttgart21, Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen BER. Das ist nicht nur mit erheblichen Zusatzkosten für den Steuerzahler verbunden, sondern bringt auch die Verantwortlichen in enorme Haftungsrisiken. Vor allem die Aufsichtsräte geraten dabei verstärkt in die Kritik, ihre Aufgabe, die Geschäftsleitung zu überwachen, nicht angemessen zu erfüllen. Das Kontrollgremium setzt sich in der Regel aus Arbeitnehmervertretern sowie aus Politikern der beteiligten Länder zusammen. Da fehlt es oft an für das Projekt relevanten Erfahrungen.

Hinzukommt die zeitliche Auslastung der Kontrolleure mit ihren Hauptämtern. Da die Mandate kaum bezahlt werden – beim BER sind es etwa 1000 Euro jährlich – müssen die Aufsichtsratsmitglieder ihr Geld anderweitig verdienen. Das geht zulasten der Überwachung des Projektes und gefährdet dessen Gelingen. Es werden also Aufsichtsräte mit ausreichender Kompetenz benötigt und die muss man entsprechend bezahlen. Denn allein die Aussicht auf Prestige zieht möglicherweise die falschen Kandidaten an. Dem Steuerzahler zu erklären, dass die Kontrolleure eine Bahnhofs- oder Flughafenprojektes zukünftig ein Vielfaches mehr verdienen sollten, könnte allerdings Probleme verursachen. Ein viel zu spät oder gar überhaupt nicht fertiggestelltes Projekt ist allerdings eine viel größere Verschwendung vonSteuergeldern.

Zur Vorbereitung auf ein Aufsichtsratsmandat in einem öffentlichen Unternehmen gibt es übrigens im November in Hamburg ein Seminar.