Betriebsschäden und Haftungsrisiken durch Wirtschaftskriminalität

Korruption, Produktpiraterie, Datenmanipulation –etwa 45 Prozent aller Unternehmen hatten 2013 einen Fall von Wirtschaftskriminalität zu melden. Das ist immerhin deutlich weniger als 2009 – laut einer Studie der Wirtschaftsberatung PwC hatten damals noch 61 Prozent aller Firmen Schadensfälle zu melden. Verstärkte Präventionsprogramme zeigen also die gewünschte Wirkung, trotz steigender Bedrohung.

Computerkriminalität/Wirtschaftskriminalität steigert auch das Haftungsrisiko für Aufsichsräte

Internet und Globalisierung sind Gründe für zunehmende Bedrohung durch Wirtschaftskriminalität. Damit steigt auch das Haftungsrisiko für Aufsichsräte.

Vor allem große Betriebe sind stark von drohender Wirtschaftskriminalität betroffen. Die Wertschöpfungskette solcher Unternehmen ist häufig über den gesamten Globus verteilt und somit besonders anfällig für Schädigung durch Wirtschaftsdelikte. Die Art der Delikte ist vielfältig und kann überall entlang der Wertschöpfungskette – der sogenannten Supply Chain –auftreten. Spionage und Sabotage, Produkt- und Markenpiraterie sind nur einige Beispiele für folgenschwere Vergehen gegen das Unternehmen. Vor allem Spionage aus China, Russland und dem Iran haben Hochkonjunktur.

Für die Unternehmen ist daher eine umfassende Supply Chain Security von der Produktentwicklung bis zum Verkauf des Produktes unerlässlich. Der Vorstand ist dazu verpflichtet entsprechende Maßnahmen zu ergreifen; Aufgabe des Aufsichtsrates ist es, die Einführung und Einhaltung geeigneter Maßnahme zu überwachen. Sowohl die Unternehmensleitung als auch die Kontrolleure verletzen also ihre Pflicht, wenn sie das Risikomanagement außer Acht lassen, und können in diesem Fall haftbar gemacht werden. Ende 2013 wurde der ehemalige Finanzvorstand eines Konzerns zu 15 Millionen Euro Schadensersatz verklagt, weil er das Unternehmen nicht hinreichend beaufsichtigt hat, so dass es zu Korruptionszahlungen an Amtsträger kommen konnte, um staatliche Aufträge zu erhalten.

Immerhin dreiviertel aller Unternehmen verfügen bereits über ein wirksames Compliance Management System (CMS). Aber nicht nur die Einführung eines CMS, sondern auch die ständige Überprüfung und gegebenenfalls dessen Anpassung sind Voraussetzung, um sich von Haftungsansprüchen gegen die eigene Person freizumachen.

Obwohl große Konzerne häufiger betroffen sind, dürfen Mittelständler das Risiko nicht unterschätzen. Auch für sie ist Wirtschaftskriminalität eine ernsthafte Bedrohung und kann relativ an der Firmengröße gemessen ähnlich schwere Schäden verursachen. Zusätzlich zu den finanziellen Einbußen sind an dieser Stelle Vertrauens- und Reputationsverlust zu nennen.