Aufsichtsrats-Score 2014

Die Kompetenz der DAX-Aufsichtsräte steht aufgrund der großen Verantwortung dieses Gremiums immer wieder im „Rampenlicht“ und wird viel diskutiert. Dass es vorangeht mit der Professionalisierung der Aufsichtsräte ist also eine gute Nachricht. Die Sitzungsfrequenz mit etwa 6 Sitzungen im Jahr ist gleichbleibend hoch und der durchschnittliche Aufsichtsrat bildet 4 Ausschüsse, um die Arbeit zu intensivieren.

Professor Peter Ruhwedel vom Deutschen Institut für Effizienzprüfung hat in diesem Jahr zum vierten Mal die Studie Aufsichtsrats-Score herausgegeben, die unter anderem diese Ergebnisse hervorgebracht hat. Bewertet wurden für die Studie die Arbeitsweise des Aufsichtsrates, die Eignung der Mitglieder, die Transparenz sowie die Diversität. Für die Gesamtauswertung wurde die Arbeitsweise am stärksten gewichtet (40 Prozent). Die Diversität der Kontrollgremien sowie die Eignung ihrer Mitglieder fielen mit jeweils 15 Prozent weniger ins Gewicht.

Aufsichtsrat in der Krise besonders aktiv

Ein spannendes Ergebnis der Studie: offenbar nimmt die Performance eines Aufsichtsrates in Krisensituationen stark zu. Das zeigt sich hauptsächlich an der Deutschen Bank, deren Kontrollgremium von Paul Achleitner geführt wird und laut der Studie von Peter Ruhwedel aktuell die beste Aufsichtsratarbeit leistet. Das Geldhaus hatte im vergangenen Jahr mit Milliardenverlusten zu kämpfen und steht nun vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Lobenswert ist daher, dass ein gesonderter Ausschuss für Integrität entstanden ist und insgesamt 34 Ausschusssitzungen durchgeführt wurden. Wünschenswert wäre die gleiche Arbeitsintensität für alle Aufsichtsräte auch außerhalb einer Krise – und damit vielleicht sogar die Vermeidung einer solchen.

Eine deutliche Diskrepanz ist bei der Volkswagen AG zu beobachten: die durchschnittliche Vergütung der Aufsichtsratsmitglieder liegt bei dem Autobauer deutlich vor allen anderen. Das ist konform dazu, dass der Konzern auch umsatzmäßig deutlich stärker ist. Allerdings schneidet der Aufsichtsrat unter der Leitung von Ferdinand Piëch in allen vier Kategorien des Aufsichtsrats-Score 2014 verhältnismäßig schlecht ab und ist im Vergleich zur Vorjahresstudie noch weiter abgerutscht. Das Schlusslicht in der Kategorie DAX bildet nach wie vor die HeidelbergerCementSE.

Der MDAX hat insgesamt noch stark aufzuholen, die Aufsichtsräte liegen in allen vier Bereichen noch hinter dem DAX. Insgesamt ist im MDAX weniger Fortschritt zu beobachten als bei den DAX Unternehmen.