Der Fall Middelhoff – was kann man daraus lernen?

Topmanager und Vorstände stehen in der breiten Öffentlichkeit häufig in der Kritik, da sie angeblich zu viel verdienen, während der normale Angestellte nur ein hundertstel in der Lohntüte hat und die eigentliche Arbeit macht. Als knallhart bis rücksichtslos werden sie oft betrachtet, während sie für sich selbst nur den Profit und den Vorteil sehen. Dass eine enorme Verantwortung und ein erhebliches Risiko hinter dieser Aufgabe stecken, wird dabei nicht immer anerkannt.

Thomas Middelhoff war erfolgreicher Manager von Bertelsmann und Arcandor. Hier beim World Economic Froum.

Spitzenmanager können für ihr Unternehmen viel erreichen – an ihrer Selbstüberschätzung aber auch scheitern.

Wer in der Öffentlichkeit steht, hat dieser gegenüber auch eine gewisse Verantwortung. Vorstände großer Unternehmen gehören definitiv dazu. Und da die Öffentlichkeit bereits ein Bild des „raffgierigen Managers“ im Kopf hat, ist hier eigentlich besondere Vorsicht im Umgang mit der Treue geboten. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, die Öl ins Feuer gießen. Im Fall Thomas Middelhoff war es wohl gleich eine ganze Kanne.

Middelhoff wurde 2004 Vorsitzender des Aufsichtsrates von der Arcandor AG, zu deren Geschäftsfeldern Versandhandel, Einzelhandel und Tourismus gehörten. Der Konzern firmierte damals noch unter dem Namen KarstadtQuelle. Von 2005 bis 2009 leitete Thomas Middelhoff den Handels- und Tourismuskonzern dann als Vorstandsvorsitzender. Während dieser Zeit soll er sich Hubschrauberflüge ins Büro oder zurück auf Firmenkosten geleistet haben sowie eine Festschrift für den früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner – im Wert von 180.000 Euro. Insgesamt wurde er in 27 Fälle wegen Untreue und in drei Fällen wegen Steuerhinterziehung angeklagt und zu drei Jahren Haft verurteilt. Fehlverhalten hat er sich nicht vorzuwerfen, beteuert der Ex-Manager vor Gericht.

Nicht nur in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender von Arcandor hat Middelhoff über die Stränge geschlagen, sondern auch als Aufsichtsrat beispielsweise der Marseille-Kliniken und wirft damit gleichzeitig ein schlechtes Licht auf die Spitzenmanager wie auf die Unternehmenskontrolleure. Reisen zu Aufsichtsratssitzungen, für die er ja bereits vergütet wurde, hat er nämlich ebenfalls nicht aus seiner eigenen sondern aus der Kasse von Arcandor bezahlt.

Ob Middelhoff auch für die Pleite der früheren KarstadtQuelle AG verantwortlich ist, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Er selbst sieht die Ursache für die Insolvenz bei seinem Nachfolger Karl-Gerhard Eick. Vor Gericht hat Eick, wie auch die ehemaligen Aufsichtsratschefs Hero Brahms und Friedrich Carl Janssen, die Aussage verweigert.

Compliance Management ist überlebenswichtig für Unternehmen

In einem Riesenkonzern wie Arcandor (etwa 80.000 Mitarbeiter) sollte es eigentlich ein strenges Compliance Management und ausreichend Kontrolle geben, dass so etwas wie im Fall Middelhoff nicht passieren kann. Wer hat also nicht aufgepasst? Der Aufsichtsrat? Die externen Wirtschaftsprüfer? Multiorganversagen nennt es die Chefredakteurin der Wirtschaftswoche Miriam Meckel. Aber was können andere Unternehmen und vor allem deren Aufsichtsräte daraus lernen? Dass ein ordentliches Compliance Management unabdingbar ist. Denn abgesehen von dem primären finanziellen Schaden, den solche Fälle für das Unternehmen mit sich bringen, ist der Reputationsschaden meist ungleich höher und schwer zu kalkulieren. Und nicht zuletzt sind es die Aufsichtsräte selbst, die ein enormes Haftungsrisiko eingehen, wenn sie solche Verletzungen der Vermögensbereuungspflicht übersehen – auch wenn es aus Versehen passiert.

Der Fall Middelhoff, mit seinem überraschend harten Urteil, wird zum Nachdenken anregen und die Vorsicht wird steigen, so Eckart Reinke von der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte. “Was Middelhoff getan hat, gibt es auf allen Ebenen, im Großen wie im Kleinen. Regeln sind zwar vorhanden – “aber das Bewusstsein für die Regeln oft nicht”. Der Aufsichtsrat muss dabei mithelfen, das Bewusstsein für diese Regeln im Unternehmen zu kultivieren – und auf deren Einhaltung achten.