Archiv für den Monat: Dezember 2014

Zu hohes Haftungsrisiko wirkt kontraproduktiv

Immer wieder werden folgenschwere Fehlentwicklungen oder Veruntreuungsskandale in großen Unternehmen aufgedeckt – oft erst, nachdem erheblicher Schaden entstanden ist. Wo waren die Unternehmenskontrolleure? Kriminelle Handlungen sind für den Aufsichtsrat schwer zu erkennen, erklärt Peter Ruhwedel im Interview. Aber die Vorbildfunktion des Aufsichtsrates und klare Anforderungsprofile für die Vorstandsbesetzung helfen, eine Unternehmenskultur zu prägen, die solche Vorfälle nicht zulässt.

Peter Ruhwedel erforscht Aufsichtsräte

Eine größere Sitzungsfrequenz und mehr Fachausschüsse wünscht sich Peter Ruhwedel von den deutschen Aufisichtsräten. Der Professor für Strategisches Management beschäftigt sich von berufs wegen mit der Kompentenz von Aufsichtsräten.

Herr Ruhwedel, es wird immer wieder darüber gesprochen, dass die Komplexität der Aufsichtsratsarbeit steigt und damit die Anforderungen an die Kontrolleure. An welcher Stelle wird dieser Wandel am deutlichsten sichtbar?

Peter Ruhwedel:

Jede Generation behauptet vermutlich, dass die Komplexität deutlich gestiegen ist. Das Besondere unserer Zeit ist jedoch die dramatische Geschwindigkeit der Veränderungen. Wir leben in einer Phase starker Diskontinuität, in der neue Geschäftsmodelle und Wettbewerber nicht langsam entstehen, sondern ohne große Vorlaufzeiten zu einer echten Bedrohung etablierter Unternehmen werden können. Zudem verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen den verschiedenen Industrien. Die Folge? Eigentlich vollkommen unterschiedliche Unternehmen wie der Internetkonzern Google und der Energieversorger RWE sind in bestimmten Geschäftsbereichen harte Konkurrenten. Das höhere Veränderungstempo und die Grenzverschiebungen wirken sich auch auf die Arbeit der Aufsichtsräte aus. Sie sollten heute nicht nur Experte in ihren Industrien sein, sondern müssen ebenso über technologische, kulturelle oder Erfahrungen in anderen Industrien und Geschäftsmodellen verfügen. Nicht zuletzt stellt auch die Vielzahl rechtlicher Regelungen die Aufsichtsräte vor große Herausforderungen. Denn sie müssen im Rahmen der Gremienarbeit unbedingt berücksichtigt werden.

Viele Mandatsträger üben mehrere Aufsichtsratsposten parallel aus – zum Teil neben ihrer Hauptfunktion als Vorstand oder Geschäftsführer. Bis zu welchem Maß ist das akzeptabel und sinnvoll?

Peter Ruhwedel:

Die Grenze bei der Anzahl von Aufsichtsratsmandaten korreliert eng mit dem jeweiligen Geschäftsmodell, der Größe und der Komplexität des zu beaufsichtigenden Unternehmens. Weiterlesen

Beschlossene Sache: Ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten

Lange wurde diskutiert, abgewägt, verworfen und wieder neu aufgegriffen. Seit vergangener Woche ist es nun amtlich, dass ab 2016 alle neu zu besetzenden Aufsichtsratsposten mit mindestens 30 Prozent Frauen besetzen zu sind. Der Gesetzesentwurf von Bundesministerin Manuela Schwesig und dem Justizminister Heike Maas (beide SPD) konnte im Kabinett durchgesetzt werden.

Im Vergleich zu den Vorständen sind die Aufsichtsräte der betroffenen Unternehmen bereits ganz gut aufgestellt. Aber mit durchschnittlich etwa 17 Prozent Frauen von den geforderten 30 noch immer ein Stück entfernt. In die Pflicht genommen werden börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen – in Deutschland 108 an der Zahl. Alle anderen börsennotierten Firmen müssen selbstverpflichtende Angaben darüber machen, wie sie den Frauenanteil aktiv erhöhen möchten. Die Managementberatung Kienbaum errechnete bereits vor einem Jahr, dass zur Quotenerfüllung 99 zusätzliche Kandidatinnen für die Aufsichtsräte gesucht werden. Weiterlesen