Archiv für den Monat: Mai 2015

Ein Viertel aller Unternehmen erfüllen bereits die Quote

In den börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland erfüllen bisher ein Viertel die für 2016 festgesetzte Frauenquote von 30 Prozent weiblichen Aufsichtsräten. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte „Women-on-Board-Index“ – eine Studie der Vereinigung FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V.. Erst ein Viertel oder schon ein Viertel – das ist natürlich eine Frage des Blickwinkels. Und bis 2016 ist ja auch noch ein bisschen Zeit.

Angestellte im Krankenhaus-Konzern Fresenius.

Bei Fresenius ist über die Hälfte der Belegschaft weiblich – keine Frau hat es jedoch bisher in die Chefetage geschafft. (Quelle: fresenius.de)

Insgesamt 101 Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern sind von der strengen Quotenregelung betroffen. Unter ihnen befinden sich noch immer große Firmen, die keine einzige Frau in ihrem Aufsichtsrat haben, wie zum Beispiel Fresenius oder Porsche. Im Vorstand wird man hier erst recht nicht fündig. Gerade beim Krankenhauskonzern Fresenius mit zwei Dritteln weiblicher Mitarbeiter ist das ein bisschen verwunderlich. Weiterlesen

Mehdorn zieht sich zurück

Gerade im März dieses Jahres hatte er seine Funktion als Chef des Berliner Flughafens BER niedergelegt, nun tritt er mit sofortiger Wirkung von seinem Posten im Aufsichtsrat von SAP zurück. Hartmut Mehdorn, der frühere Bahn-Chef, zieht sich aus gesundheitlichen Gründen von allen Ämtern zurück in den Ruhestand. Der 72-jährige ist einer der bekanntesten deutschen Manager, konnte aber seine letzte große Aufgabe, den Berliner Pleite-Flughafen wieder auf Kurs zu bringen auch nicht recht erfüllen und verabschiedete sich dort vorzeitig.

Gesche Joost in Design-Professorin an der Universität der Künste

Gesche Joost soll für Hartmut Mehdorn in den Aufsichtsrat von SAP unter der Leitung von Hasso Plattner eintreten. (Quelle: spd.de)

So nun auch aus dem Kontrollgremium unter Leitung von Hasso Plattner, wo er eigentlich noch bis 2019 bleiben sollte. Ganze 17 Jahre war Mehdorn Kontrolleur des Softwareunternehmens. Welche Krankheit es ist, die ihn zum Rückzug bewegt hat, ist nicht bekannt. Aber er selbst sieht für sich die Zeit des Ruhstands gekommen.

An seine Stelle soll die Designforscherin Gesche Joost treten. Die Internetbotschafterin der Bundesregierung ist Professorin an der Berliner Universität der Künste und leitet dort das Design Research Lab. Passend zum kürzlich in Kraft getretenen Gesetz für mindestens 30 Prozent Frauenanteil in den Aufsichtsräten ab 2016 bereitet sich SAP mit dieser Berufung bestens vor. Sie ist die fünfte Frau im 18-köpfigen Gremium, was einer Quote von 27 Prozent entspricht. Weiterlesen

Neues Gesicht für den Bertelsmann-Aufsichtsrat

Der Medienkonzern Bertelsmann ist nach eigenem Verständnis ein innovatives Unternehmen, das für Kreativität und Gründergeist steht. Kein Wunder also, dass das neue Gesicht im Aufsichtsrat aus der Gründerszene kommt. Gigi Levy-Weiss ist selbst Unternehmer und als Investor in der IT-Branche tätig. Seit Anfang der Woche unterstützt er die Aufseher in Gütersloh. Der 44-jährige israelische Entrepreneur und Investor bringt frischen Wind in den Konzern.

Gigi Levy-Weiss ist israelischer Investor

Neu bei Bertelsmann im Aufsichtsrat: der israelische Investor Gigi Levy-Weiss. (Quellenangabe: obs/Bertelsmann SE & Co. KGaA)

Gleichzeitig sind der frühere Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, sowie Lars Rebien Sørensen, CEO des dänischen Gesundheitsunternehmens Novo Nordisk, wie geplant aus dem Kontrollgremium ausgeschieden. Mit Levy-Weiss zählt der Aufsichtsrat, dessen Vorsitz Christoph Mohn innehat, 16 Mitglieder. Neben Christoph Mohn kontrollieren noch zwei weitere Mitglieder der Eigentümerfamilie das Unternehmen: seine Mutter Liz Mohn sowie seine Schwester Brigitte Mohn.

Für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe steht alles auf Umbruch. Seit Anfang letzten Jahres hat der Konzern stark zugekauft und seinen Fokus vermehrt aufs Bildungsgeschäft gelegt. Für das erste Quartal 2015 konnte Bertelsmann einen deutlichen Gewinnzuwachs vorweisen.

Mehr Frauen für den VW-Aufsichtsrat

Nach dem spontanen Ausscheiden des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch und seiner Frau Ursula Piëch wurden die zwei Posten im Kontrollgremium des Autobauers schnell neu besetzt – und zwar mit zwei Frauen. Eine davon erst 34 Jahre alt.

Eine Frau ist gegangen, zwei sind gekommen. Damit konnte Volkswagen den Frauenanteil im Aufsichtsrat auf 20 Prozent steigern und ist somit der Erfüllung der Geschlechterquote von 30 Prozent ein Stück näher gekommen.

Die bisher im Aufsichtsrat vertretenen weiblichen Mitglieder Annika Falkengren und Babette Fröhlich haben seit dem 30. April zwei Kolleginnen aus der Familie Piëch. Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch verstärken das Gremium auf der Anteilseignerseite.

Nach den Querelen im Konzern, die letztendlich zu Piëchs Rücktritt gesorgt haben, war auch die Entscheidung für die Nachfolge des Aufseher-Ehepaares nicht ganz unproblematisch. Mit der Erklärung, es mangele an Erfahrung, sperrte sich Ferdinand Piëch gegen die Personalien – beides Nichten von ihm. Die 57jährige Kiesling hat unter anderem Automobildesign studiert und ist Geschäftsführerin mehrerer Unternehmen. Julia Kuhn-Piëch, mit 34 Jahren ein ausgesprochen junges Aufsichtsratsmitglied, ist Immobilienkauffrau.

Konflikte zwischen Aufsichtsrat und Vorstand

Der Aufsichtsrat soll die Führungsetage kontrollieren und unterstützen, damit sie ihre Arbeit erfolgreich, also zum Wohl des Unternehmens, umsetzen kann. Dahinter steht natürlich auch das eigene Interesse, denn mindestens fünfzig Prozent der Aufsichtsratsmitglieder sind Anteilseigner, also die Inhaber der Firma. Wie sollten sie also damit umgehen, wenn Ihnen der Vorstand, dem sie die Firma anvertraut haben, nicht mehr passt?

Antike VW Busse

Bei Volkswagen sitzen Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender nicht mehr im selben Bus. Trotz der Konflikte konnte Vorstandschef Winterkorn ein gutes erstes Quartal vorweisen.

Dass der Vorstandschef vor die Tür gesetzt wird, passiert nicht gerade selten. Immer wieder werden Top-Manager gebeten zu gehen, wenn ihr Handeln schlechtes Licht auf das Unternehmen wirft, sie nicht die gewünschten Sparmaßnahmen durchsetzen können oder nach Veruntreuungsdelikten. Der Aufsichtsrat ist sich in solchen Fällen in der Regel einig und weiß was zu tun ist. Probleme und Unruhe für das Unternehmen bringen solche Führungswechsel trotzdem jedes Mal mit sich und nicht zuletzt teuer. Weiterlesen