Konflikte zwischen Aufsichtsrat und Vorstand

Der Aufsichtsrat soll die Führungsetage kontrollieren und unterstützen, damit sie ihre Arbeit erfolgreich, also zum Wohl des Unternehmens, umsetzen kann. Dahinter steht natürlich auch das eigene Interesse, denn mindestens fünfzig Prozent der Aufsichtsratsmitglieder sind Anteilseigner, also die Inhaber der Firma. Wie sollten sie also damit umgehen, wenn Ihnen der Vorstand, dem sie die Firma anvertraut haben, nicht mehr passt?

Antike VW Busse

Bei Volkswagen sitzen Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender nicht mehr im selben Bus. Trotz der Konflikte konnte Vorstandschef Winterkorn ein gutes erstes Quartal vorweisen.

Dass der Vorstandschef vor die Tür gesetzt wird, passiert nicht gerade selten. Immer wieder werden Top-Manager gebeten zu gehen, wenn ihr Handeln schlechtes Licht auf das Unternehmen wirft, sie nicht die gewünschten Sparmaßnahmen durchsetzen können oder nach Veruntreuungsdelikten. Der Aufsichtsrat ist sich in solchen Fällen in der Regel einig und weiß was zu tun ist. Probleme und Unruhe für das Unternehmen bringen solche Führungswechsel trotzdem jedes Mal mit sich und nicht zuletzt teuer.

Manchmal scheinen die Konflikte aber auch eher persönlicher Natur zu sein, so wie das jüngste Beispiel von Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn. Ferdinand Piëch ist vielleicht kein ganz gewöhnlicher Aufsichtsratsvorsitzender. Der ehemalige VW Chefaufseher ist seit Jahren der Bestverdienende und genießt im Konzern eine Machstellung, die kaum einem anderen Aufsichtsrat zukommt. Nachdem sich der Patriarch von seinem Zögling Winterkorn öffentlich distanziert hatte, gab es viel Aufruhr beim zweitgrößten Autobauer der Welt. Solche Konflikte sind für den Aufsichtsrat als Gremium schwer zu handhaben, da zu viel personengebundene Interessen und Machtspiele mitschwingen.

Nach dem kurzen aber heftigen Machtkampf zwischen den beiden Chefs von Aufsichtsrat und Vorstand gab es nun einen ungeplanten Wechsel an der Spitze des VW-Kontrollgremiums. Der bisherige Stellvertreter Piëchs – der ehemaliger IG-Metall-Chef Berthold Huber – hat zunächst die kommissarische Leitung des Aufsichtsrates übernommen. Vorstandschef Martin Winterkorn, der das Duell hat für sich entscheiden können, wartete im Anschluss an die Auseinandersetzung mit einer glänzenden Bilanz fürs erste Quartal auf.