Neues Gesicht für den Bertelsmann-Aufsichtsrat

Der Medienkonzern Bertelsmann ist nach eigenem Verständnis ein innovatives Unternehmen, das für Kreativität und Gründergeist steht. Kein Wunder also, dass das neue Gesicht im Aufsichtsrat aus der Gründerszene kommt. Gigi Levy-Weiss ist selbst Unternehmer und als Investor in der IT-Branche tätig. Seit Anfang der Woche unterstützt er die Aufseher in Gütersloh. Der 44-jährige israelische Entrepreneur und Investor bringt frischen Wind in den Konzern.

Gigi Levy-Weiss ist israelischer Investor

Neu bei Bertelsmann im Aufsichtsrat: der israelische Investor Gigi Levy-Weiss. (Quellenangabe: obs/Bertelsmann SE & Co. KGaA)

Gleichzeitig sind der frühere Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, Hartmut Ostrowski, sowie Lars Rebien Sørensen, CEO des dänischen Gesundheitsunternehmens Novo Nordisk, wie geplant aus dem Kontrollgremium ausgeschieden. Mit Levy-Weiss zählt der Aufsichtsrat, dessen Vorsitz Christoph Mohn innehat, 16 Mitglieder. Neben Christoph Mohn kontrollieren noch zwei weitere Mitglieder der Eigentümerfamilie das Unternehmen: seine Mutter Liz Mohn sowie seine Schwester Brigitte Mohn.

Für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe steht alles auf Umbruch. Seit Anfang letzten Jahres hat der Konzern stark zugekauft und seinen Fokus vermehrt aufs Bildungsgeschäft gelegt. Für das erste Quartal 2015 konnte Bertelsmann einen deutlichen Gewinnzuwachs vorweisen.

Mehr Frauen für den VW-Aufsichtsrat

Nach dem spontanen Ausscheiden des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch und seiner Frau Ursula Piëch wurden die zwei Posten im Kontrollgremium des Autobauers schnell neu besetzt – und zwar mit zwei Frauen. Eine davon erst 34 Jahre alt.

Eine Frau ist gegangen, zwei sind gekommen. Damit konnte Volkswagen den Frauenanteil im Aufsichtsrat auf 20 Prozent steigern und ist somit der Erfüllung der Geschlechterquote von 30 Prozent ein Stück näher gekommen.

Die bisher im Aufsichtsrat vertretenen weiblichen Mitglieder Annika Falkengren und Babette Fröhlich haben seit dem 30. April zwei Kolleginnen aus der Familie Piëch. Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch verstärken das Gremium auf der Anteilseignerseite.

Nach den Querelen im Konzern, die letztendlich zu Piëchs Rücktritt gesorgt haben, war auch die Entscheidung für die Nachfolge des Aufseher-Ehepaares nicht ganz unproblematisch. Mit der Erklärung, es mangele an Erfahrung, sperrte sich Ferdinand Piëch gegen die Personalien – beides Nichten von ihm. Die 57jährige Kiesling hat unter anderem Automobildesign studiert und ist Geschäftsführerin mehrerer Unternehmen. Julia Kuhn-Piëch, mit 34 Jahren ein ausgesprochen junges Aufsichtsratsmitglied, ist Immobilienkauffrau.

Konflikte zwischen Aufsichtsrat und Vorstand

Der Aufsichtsrat soll die Führungsetage kontrollieren und unterstützen, damit sie ihre Arbeit erfolgreich, also zum Wohl des Unternehmens, umsetzen kann. Dahinter steht natürlich auch das eigene Interesse, denn mindestens fünfzig Prozent der Aufsichtsratsmitglieder sind Anteilseigner, also die Inhaber der Firma. Wie sollten sie also damit umgehen, wenn Ihnen der Vorstand, dem sie die Firma anvertraut haben, nicht mehr passt?

Antike VW Busse

Bei Volkswagen sitzen Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzender nicht mehr im selben Bus. Trotz der Konflikte konnte Vorstandschef Winterkorn ein gutes erstes Quartal vorweisen.

Dass der Vorstandschef vor die Tür gesetzt wird, passiert nicht gerade selten. Immer wieder werden Top-Manager gebeten zu gehen, wenn ihr Handeln schlechtes Licht auf das Unternehmen wirft, sie nicht die gewünschten Sparmaßnahmen durchsetzen können oder nach Veruntreuungsdelikten. Der Aufsichtsrat ist sich in solchen Fällen in der Regel einig und weiß was zu tun ist. Probleme und Unruhe für das Unternehmen bringen solche Führungswechsel trotzdem jedes Mal mit sich und nicht zuletzt teuer. Weiterlesen

Nicht nur Geschlecht, auch Alter sollte diskutiert werden

Seit Jahren wird darüber geredet, dass deutsche Aufsichtsräte mehr Frauen benötigen. Die meisten Gremien sind Herrenclubs. Altherrenclubs. Denn es fehlt nicht nur an Weiblichkeit sondern auch an Jugendlichkeit bei den Kontrolleuren.

Um gut arbeiten zu können und alle Kompetenzbereiche abzudecken, sollte ein Aufsichtsrat gut durchmischt sein. In großen Unternehmen sind nicht umsonst 20 Posten für die Unternehmenskontrolleure vorgesehen. Das bietet Raum sowohl für fachliche als auch für kulturelle Diversität. Aber die meisten Kontrollgremien sind weder in Bezug auf das Geschlecht noch auf die Nationalität ihrer Mitglieder besonders divers. Und auch nicht, was das Alter betrifft.

Alter bringt natürlich auch Erfahrung und Wissen mit sich, auf das kein Unternehmen verzichten sollte. Daher sollte eine Altersgrenze für Aufseher auf keinen Fall die Lösung sein. Weiterlesen

Politiker im Aufsichtsrat – gibt es richtig oder falsch?

Lassen sich politische Arbeit und die Überwachung eines Unternehmens vereinbaren? Vor allem in öffentlichen und teil-öffentlichen Unternehmen sind zahlreiche Politiker zu finden – etwa in Landesbanken, Flughafengesellschaften oder bei Volkswagen. Solche Ämterdoppelung birgt Interessenkonflikte und bringt nicht selten Probleme mit sich.

Leeres Bundestags-Plenum

Können Politiker gute Aufsichtsräte sein ?

Können Politiker gute Aufsichtsräte sein? Schaut man sich einige öffentliche Projekte an – der Flughafen BER ist nur eines davon – könnte man zu dem Schluss kommen: nein. Oft sind es die Politiker im jeweiligen Aufsichtsrat, die in die Kritik geraten, wenn es mal wieder schief geht. Möglicherweise zu recht. Hier zeigt sich ganz deutlich: Aufsichtsratarbeit macht man nicht nebenbei. Und häufig handelt es sich um mehr als ein Mandat, welches neben den politischen Pflichten ausgeübt wird. Weiterlesen

Zu hohes Haftungsrisiko wirkt kontraproduktiv

Immer wieder werden folgenschwere Fehlentwicklungen oder Veruntreuungsskandale in großen Unternehmen aufgedeckt – oft erst, nachdem erheblicher Schaden entstanden ist. Wo waren die Unternehmenskontrolleure? Kriminelle Handlungen sind für den Aufsichtsrat schwer zu erkennen, erklärt Peter Ruhwedel im Interview. Aber die Vorbildfunktion des Aufsichtsrates und klare Anforderungsprofile für die Vorstandsbesetzung helfen, eine Unternehmenskultur zu prägen, die solche Vorfälle nicht zulässt.

Peter Ruhwedel erforscht Aufsichtsräte

Eine größere Sitzungsfrequenz und mehr Fachausschüsse wünscht sich Peter Ruhwedel von den deutschen Aufisichtsräten. Der Professor für Strategisches Management beschäftigt sich von berufs wegen mit der Kompentenz von Aufsichtsräten.

Herr Ruhwedel, es wird immer wieder darüber gesprochen, dass die Komplexität der Aufsichtsratsarbeit steigt und damit die Anforderungen an die Kontrolleure. An welcher Stelle wird dieser Wandel am deutlichsten sichtbar?

Peter Ruhwedel:

Jede Generation behauptet vermutlich, dass die Komplexität deutlich gestiegen ist. Das Besondere unserer Zeit ist jedoch die dramatische Geschwindigkeit der Veränderungen. Wir leben in einer Phase starker Diskontinuität, in der neue Geschäftsmodelle und Wettbewerber nicht langsam entstehen, sondern ohne große Vorlaufzeiten zu einer echten Bedrohung etablierter Unternehmen werden können. Zudem verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen den verschiedenen Industrien. Die Folge? Eigentlich vollkommen unterschiedliche Unternehmen wie der Internetkonzern Google und der Energieversorger RWE sind in bestimmten Geschäftsbereichen harte Konkurrenten. Das höhere Veränderungstempo und die Grenzverschiebungen wirken sich auch auf die Arbeit der Aufsichtsräte aus. Sie sollten heute nicht nur Experte in ihren Industrien sein, sondern müssen ebenso über technologische, kulturelle oder Erfahrungen in anderen Industrien und Geschäftsmodellen verfügen. Nicht zuletzt stellt auch die Vielzahl rechtlicher Regelungen die Aufsichtsräte vor große Herausforderungen. Denn sie müssen im Rahmen der Gremienarbeit unbedingt berücksichtigt werden.

Viele Mandatsträger üben mehrere Aufsichtsratsposten parallel aus – zum Teil neben ihrer Hauptfunktion als Vorstand oder Geschäftsführer. Bis zu welchem Maß ist das akzeptabel und sinnvoll?

Peter Ruhwedel:

Die Grenze bei der Anzahl von Aufsichtsratsmandaten korreliert eng mit dem jeweiligen Geschäftsmodell, der Größe und der Komplexität des zu beaufsichtigenden Unternehmens. Weiterlesen

Beschlossene Sache: Ab 2016 mindestens 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten

Lange wurde diskutiert, abgewägt, verworfen und wieder neu aufgegriffen. Seit vergangener Woche ist es nun amtlich, dass ab 2016 alle neu zu besetzenden Aufsichtsratsposten mit mindestens 30 Prozent Frauen besetzen zu sind. Der Gesetzesentwurf von Bundesministerin Manuela Schwesig und dem Justizminister Heike Maas (beide SPD) konnte im Kabinett durchgesetzt werden.

Im Vergleich zu den Vorständen sind die Aufsichtsräte der betroffenen Unternehmen bereits ganz gut aufgestellt. Aber mit durchschnittlich etwa 17 Prozent Frauen von den geforderten 30 noch immer ein Stück entfernt. In die Pflicht genommen werden börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen – in Deutschland 108 an der Zahl. Alle anderen börsennotierten Firmen müssen selbstverpflichtende Angaben darüber machen, wie sie den Frauenanteil aktiv erhöhen möchten. Die Managementberatung Kienbaum errechnete bereits vor einem Jahr, dass zur Quotenerfüllung 99 zusätzliche Kandidatinnen für die Aufsichtsräte gesucht werden. Weiterlesen