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Ein Viertel aller Unternehmen erfüllen bereits die Quote

In den börsennotierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland erfüllen bisher ein Viertel die für 2016 festgesetzte Frauenquote von 30 Prozent weiblichen Aufsichtsräten. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte „Women-on-Board-Index“ – eine Studie der Vereinigung FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e.V.. Erst ein Viertel oder schon ein Viertel – das ist natürlich eine Frage des Blickwinkels. Und bis 2016 ist ja auch noch ein bisschen Zeit.

Angestellte im Krankenhaus-Konzern Fresenius.

Bei Fresenius ist über die Hälfte der Belegschaft weiblich – keine Frau hat es jedoch bisher in die Chefetage geschafft. (Quelle: fresenius.de)

Insgesamt 101 Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern sind von der strengen Quotenregelung betroffen. Unter ihnen befinden sich noch immer große Firmen, die keine einzige Frau in ihrem Aufsichtsrat haben, wie zum Beispiel Fresenius oder Porsche. Im Vorstand wird man hier erst recht nicht fündig. Gerade beim Krankenhauskonzern Fresenius mit zwei Dritteln weiblicher Mitarbeiter ist das ein bisschen verwunderlich. Weiterlesen

Monika Schulz-Strelow: Ziel ist nicht die Erfüllung der Quote, sondern die Veränderung in der Unternehmenskultur

Im Interview mit aufsichtsrat-welt.de erklärt Monika Schulz-Strelow, Unternehmerin, Lobbyistin und Präsidentin von FidAR, warum Frauen und Männer gleichermaßen für ein Aufsichtsratsmandat qualifiziert sind. Und warum wir trotzdem beim Thema Frauen in Spitzenpositionen noch einen sehr langen Weg vor uns haben.

Wie sehen Sie diSchulz-Strelow_Monikae Diskussion, dass durch die Quote eventuell Frauen in Spitzenpositionen kommen, für die dieser Schritt vielleicht zu früh kommt?

Monika Schulz-Strelow: Wenn Frauen für Aufsichtsratspositionen ausgewählt werden – auf die Aufsichtsratsebene konzentriert sich die Arbeit von FidAR  – haben wir eigentlich nicht die Erfahrung gemacht, dass unerfahrene Frauen überhaupt auf der Liste der Ausgewählten gestanden haben. Die Frauen, die da ausgewählt wurden, verfügten über entsprechende Erfahrungen. Wir betonen immer, es geht letztendlich nicht um die Quote. Sondern die Quote ist ein Instrument, damit mehr Frauen in Führungspositionen und vor allem in Gremiumspositionen kommen. Und gleichermaßen setzen wir voraus, dass die Frauen, die dafür befähigt sind, auch die entsprechenden Erfahrungen mitbringen. Vielleicht nicht unbedingt Gremiumserfahrung, aber zumindest sollten sie, wenn sie in Unternehmen tätig sind, Geschäftsführungserfahrung oder Ähnliches mitbringen. Aufsichtsratsarbeit läuft nochmals nach ganz anderen Kriterien ab, Gremienarbeit basiert auf gemeinschaftlichen Entscheidungen. Wichtig ist dabei die Kontrollfunktion des Vorstands, aber immer mehr – und das müssten Sie ja bei Unternehmenskäufen und -verkäufen beobachten – sind Unternehmensstrategieerfahrungen gefragt.

Das heißt, die Quote ist gar nicht ihr primäres Ziel?

Monika Schulz-Strelow: Nein, die Quote ist ein wirkungsvolles Instrument. Weil Freiwilligkeit, auf die wir die ersten Jahre als FidAR gesetzt haben, und viele andere auch – also diese freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft, die die Verbände mit der Politik 2001 eingegangen sind – keinerlei Veränderung gebracht hat. Veränderung kommt leider, zumindest in vielen Strukturen, nur über Druck zustande. Weiterlesen

Women-on-Board-Index – Ernüchterndes Ergebnis nach 12 Jahren

Frauen in die Aufsichtsräte – diese Forderung ist gleichzeitig der Name des 2006 gegründeten Vereins FidAR e.V., der sich für die nachhaltige Erhöhung des Frauenanteils in deutschen Aufsichtsräten einsetzt. Auch in diesem Jahr hat die Initiative wieder den Women-on-Board-Index (WoB-Index) herausgegeben, der als Grundlage dient, um die Entwicklung des Frauenanteils in den Führungspositionen deutscher DAX-Unternehmen zu beurteilen.

women on board, wob-index (Grafik)

Der Anteil weiblicher Aufsichtsräte ist noch immer deutlich unter 20 Prozent. Betrachtet man nur die Anteilseignerseite sieht es noch sehr viel schlechter aus. Quelle: FidAR, WoB-Index 2013

Alle 160 börsennotierten Unternehmen – DAX, MDAX, SDAX, TecDAX – wurden zum Thema Frauen in Spitzenpositionen, also Aufsichtsrat und Vorstand befragt. Das Ergebnis ist laut FidAR ernüchternd. Ganze 12 Jahre nach der Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft, ohne Druck und Gesetze einen größeren Frauenenteil zu erzielen, liegt der kumulierte Anteil weiblicher Führungskräfte noch immer bei nur 11, 1 Prozent. Ein Zuwachs von 4,6 Prozent in den letzten zwei Jahren, seit Einführung des WoB-Index, ist den Initiatoren zu wenig, die 20, 30 oder gar 40 Prozent noch in viel zu weiter Ferne. Weiterlesen