Schlagwort-Archive: Politiker im Aufsichtsrat

Gute Regulierung heißt knappe Regulierung

Viel hilft nicht unbedingt viel! Gesetzliche Vorschriften zur Unternehmensführung sollten sich auf das Wesentliche beschränken, meint Bernd Ziesemer. Die Umsetzung hängt von der Unternehmenskultur ab, denn Corporate Governance muss gelebt werden. Im Interview verrät der frühere Handelsblatt-Chefredakteur außerdem, wieso Politiker keine geeignten Aufsichtsratkandidaten sind und was er von der Frauenquote hält.

Bernd Ziesemer ist ehemaliger Handelsblatt Chefredakteur und aktueller Capital Kolumnist (Bild: © Capital Magazin

Bernd Ziesemer ist ehemaliger Handelsblatt Chefredakteur und aktueller Capital Kolumnist (Bild: © Capital Magazin)

Herr Ziesemer, kommt eine gute Corporate Governance von einer guten Regulierung? Oder woran liegt es, ob ein Unternehmen das hinbekommt oder nicht?

Bernd Ziesemer: Gute gesetzliche Regulierung ist in der Tat eine gute Basis. Aber gute gesetzliche Regulierung heißt aus meiner Sicht knappe Regulierung. Der Gesetzgeber sollte nicht versuchen, jedes Detail zu regeln, sondern man sollte sich auf die wirklich wichtigen Schlüsselfragen konzentrieren. Es wäre aber ein Irrglaube zu meinen, dass wenn man sich an die gesetzlichen Vorschriften hält, dass man damit bereits eine gute Governance im Unternehmen hat. Dafür braucht es dann doch noch mehr.

Was ist dieses „Mehr“ Ihrer Meinung nach?

Bernd Ziesemer: Es kommt darauf an, dass die Arbeitsteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nicht nur formaljuristisch vorhanden ist, sondern dass sie auch wirklich gelebt wird. Das heißt der Aufsichtsrat muss wirklich kontrollieren und muss wirklich die strategische Auseinandersetzung mit dem Vorstand führen. Und das ist ja nicht mit gesetzlichen Vorgaben zu fassen. Sonst kommt es nur zu dem berühmten box-ticking, also dass man nur einen Haken macht an irgendwelche Auflagen. Aber man muss es eben wirklich leben. Weiterlesen

In Wolfsburg jagt ein Skandal den nächsten

Beim größten Autobauer Europas, der kurz davor war Toyota die Weltspitze abzulaufen, jagt ein Skandal den nächsten. Wie gut kann die Corporate Governance eines Weltkonzerns sein, wenn sein Aufsichtsrat aus der Unternehmerfamilie, Vertretern der Belegschaft und ein paar Landespolitikern besteht?

Antike Diesel-Zapfsäule.

Um den strengen Abgasvorschriften bei Dieselmotoren gerecht zu werden, hat der VW Konzern die Software von Millionen Fahrzeugen manipuliert. Der Aufsichtsrat tappte, wie so häufig bei Management-Fehlleistungen, im Dunkeln.

Der VW Aufsichtsrat hatte gerade erst ein bisschen Zeit, sich von dem Machtkampf zwischen Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn zu erholen, da steht schon der nächste Skandal vor der Tür. Die Streitigkeiten zwischen dem damaligen Aufsichtsratschef und dem Vorstandsvorsitzenden hatten im Frühjahr den VW Patriarchen Piëch und seine Frau zum Rückzug aus dem Kontrollgremium gezwungen. Winterkorn, der seit 2007 dem Automobilkonzern vorstand, ging als Sieger aus der Affäre hervor. Nur kurze Zeit später muss er nun trotzdem sein Amt niederlegen.

Grund dafür ist der vor kurzem öffentlich gemachte Abgasskandal des Wolfsburger Autobauers. Mehrere Millionen Automobile mit Dieselmotor der Marken Audi, VW und Skoda wurden mit einer Software ausgestattet, die die Abgaswerte manipuliert. Mit Bekanntwerden dieses Betrugs musste VW-Chef Winterkorn zurücktreten. Nun wird ermittelt, wer von dem Vorgehen gewusst hat und zur Verantwortung gezogen werden kann. Und diese ist groß. Täglich flattern neue Klagen ins Haus, der Schaden kann sich zu einer Summe von 50 Milliarden Euro kumulieren.

Aufsichtsrat im Dauerstress

Der Aufsichtsrat hat nun alle Hände voll zu tun. Zunächst musste ein neuer Vorstandschef gefunden werden. Weiterlesen

Nun doch! Michael Müller ist Chef des BER Aufsichtsrates

Der Flughafen BER – schon lange kein Vorzeigeprojekt der Länder Berlin und Brandenburg mehr – hat einen neuen Aufsichtsratschef. Der amtierende Berliner Bürgermeister Michael Müller hat seinen Vorgänger Klaus Wowereit nicht nur im Roten Rathaus abgelöst, sondern auch als Chefaufseher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB).

Berlins amtierender Bürgermeister Michael Müller

Irgendjemand muss es machen: Berlins amtierender Bürgermeister Michael Müller übernimmt Chefaufseher-Posten beim Flughafen BER. (Bild: SPD / nicole-maskus.de)

Was Politiker für einen Posten als Aufsichtsrat qualifiziert, fragt man sich häufiger. Bei öffentlichen Unternehmen ist es allerdings etwas schwierig, geeignete Aufseher zu finden, die Branchenerfahrung mitbringen und Ahnung von Finanzen und Großprojekten haben. Denn die Aufwandsentschädigung als Aufsichtsrat etwa beim Großflughafen BER ist nicht zu vergleichen mit der Vergütung als Aufsehen beispielsweise einem DAX30 Unternehmen – auch nicht für den Chef. Spitzenpolitiker haben allerding in der Regel gar nicht die nötige Zeit zur Verfügung, sich in die relevanten Themen eines so umfassenden Projektes reinzuarbeiten, um die Geschäftsführung kompetent überwachen zu können. Und bei Michael Müller fragt man sich – ähnlich wie seiner Zeit bei Klaus Wowereit – welche Erfahrungen mit einem ähnlichen Projekt bringt er mit, die ihn auf diese Aufgabe vorbereitet haben.

Und der selbst scheint es auch zu ahnen, dass er vielleicht überfordert sein wird mit dem Posten. Noch im Februar hatte über den kompletten Rückzug aus dem Aufsichtsrat des BER nachgedacht – von der Übernahme des Chefpostens ganz zu schweigen. Nun konnte er sich dem Druck doch nicht widersetzen, denn angeblich findet sich niemand, der es machen möchte. Schaut man sich die ganze Pleite mit dem Flughafenprojekt an, fällt es auch gar nicht so schwer, das zu glauben.

Politiker im Aufsichtsrat – gibt es richtig oder falsch?

Lassen sich politische Arbeit und die Überwachung eines Unternehmens vereinbaren? Vor allem in öffentlichen und teil-öffentlichen Unternehmen sind zahlreiche Politiker zu finden – etwa in Landesbanken, Flughafengesellschaften oder bei Volkswagen. Solche Ämterdoppelung birgt Interessenkonflikte und bringt nicht selten Probleme mit sich.

Leeres Bundestags-Plenum

Können Politiker gute Aufsichtsräte sein ?

Können Politiker gute Aufsichtsräte sein? Schaut man sich einige öffentliche Projekte an – der Flughafen BER ist nur eines davon – könnte man zu dem Schluss kommen: nein. Oft sind es die Politiker im jeweiligen Aufsichtsrat, die in die Kritik geraten, wenn es mal wieder schief geht. Möglicherweise zu recht. Hier zeigt sich ganz deutlich: Aufsichtsratarbeit macht man nicht nebenbei. Und häufig handelt es sich um mehr als ein Mandat, welches neben den politischen Pflichten ausgeübt wird. Weiterlesen

Aufsichtsrat in öffentlichen Projekten – wer ist geeignet?

Großprojekte im öffentlichen Sektor funktionieren etwas anders als in der Privatwirtschaft. Geldgeber, gegenüber denen man zur Rechenschaft verpflichtet ist, sind nicht nur die Aktionäre, sondern in der Regel alle Steuerzahler. Der Druck ist groß, die Bezahlung hingegen verschwindend gering. Wer ist in diesem Fall der ideale Kandidat für den Aufsichtsratsposten?

Elbphilharmonie in Hamburg (Baustelle)

Öffentliche Projekte scheitern ungewöhnlich oft. Ein Teil der Verantwortung dafür liegt beim Aufsichtsrat.

Die Anforderungen an die Geschäftsführung und deren Aufsichtsrat sind in einem Unternehmen der öffentlichen Hand ähnlich denen eines Großkonzerns. Häufig sind die Summen, mit denen in solchen Projekten hantiert wird, noch schwindelerregender als in privaten Unternehmen. Für das Gelingen eines solchen Projektes Verantwortung zu tragen, erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, Erfahrung und Risikobereitschaft. Dem gegenüber steht eine Bezahlung, die um ein Vielfaches kleiner ist, als in einem DAX-Konzern. Für die Aufsichtsräte handelt es sich mehr um eine Aufwandsentschädigung. Weiterlesen