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Gute Regulierung heißt knappe Regulierung

Viel hilft nicht unbedingt viel! Gesetzliche Vorschriften zur Unternehmensführung sollten sich auf das Wesentliche beschränken, meint Bernd Ziesemer. Die Umsetzung hängt von der Unternehmenskultur ab, denn Corporate Governance muss gelebt werden. Im Interview verrät der frühere Handelsblatt-Chefredakteur außerdem, wieso Politiker keine geeignten Aufsichtsratkandidaten sind und was er von der Frauenquote hält.

Bernd Ziesemer ist ehemaliger Handelsblatt Chefredakteur und aktueller Capital Kolumnist (Bild: © Capital Magazin

Bernd Ziesemer ist ehemaliger Handelsblatt Chefredakteur und aktueller Capital Kolumnist (Bild: © Capital Magazin)

Herr Ziesemer, kommt eine gute Corporate Governance von einer guten Regulierung? Oder woran liegt es, ob ein Unternehmen das hinbekommt oder nicht?

Bernd Ziesemer: Gute gesetzliche Regulierung ist in der Tat eine gute Basis. Aber gute gesetzliche Regulierung heißt aus meiner Sicht knappe Regulierung. Der Gesetzgeber sollte nicht versuchen, jedes Detail zu regeln, sondern man sollte sich auf die wirklich wichtigen Schlüsselfragen konzentrieren. Es wäre aber ein Irrglaube zu meinen, dass wenn man sich an die gesetzlichen Vorschriften hält, dass man damit bereits eine gute Governance im Unternehmen hat. Dafür braucht es dann doch noch mehr.

Was ist dieses „Mehr“ Ihrer Meinung nach?

Bernd Ziesemer: Es kommt darauf an, dass die Arbeitsteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nicht nur formaljuristisch vorhanden ist, sondern dass sie auch wirklich gelebt wird. Das heißt der Aufsichtsrat muss wirklich kontrollieren und muss wirklich die strategische Auseinandersetzung mit dem Vorstand führen. Und das ist ja nicht mit gesetzlichen Vorgaben zu fassen. Sonst kommt es nur zu dem berühmten box-ticking, also dass man nur einen Haken macht an irgendwelche Auflagen. Aber man muss es eben wirklich leben. Weiterlesen

Chancen für mehr Freiheit?

Vergangene Woche haben sich die Mitglieder der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex und ihre Berater zum 14. Mal getroffen, um über den Fortschritt guter Unternehmensführung in Deutschland zu debattieren. Unter dem Motto „Selbstregulierung oder Staatliche Vorgaben – Chancen für mehr Freiheit?“ stand vor allem der Thema Selbstregulierung im Fokus der Diskussionen. Der Kodex schreibt vor, wie die Unternehmen handeln sollen – die Umsetzung der Vorgaben ist jedoch flexibel und unterliegt der Entscheidung in den einzelnen Firmen.

Brandenburger Tor - Blick aus dem Allianz Forum Berlin

Die 14. Konferenz zum Deutschen Corporate Governance Kodex 2015 fand im Berliner Allianz Forum statt. Mit Blick aufs Brandenburger Tor wurde zum Thema Selbstregulierung der Wirtschaft diskutiert.

Selbstverantwortung statt strenger Vorgaben

Die Frage nach „Selbstregulierung oder Staatliche Vorgaben“ sei einfach zu beantworten, sagt Ben Tellings, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ING-DiBa AG, gleich zu Beginn seiner Rede. Niemand wird sich seiner Meinung nach für mehr Staatliche Vorgaben aussprechen, daran mangelt es schließlich in Europa nicht. Wer allerdings weniger Eingriff durch den Staat möchte, muss dafür sorgen, dass dieser erst gar nicht nötig wird, erklärt Tellings im Anschluss. Verpflichtung zur Selbstregulierung könnte man es also nennen, was die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex den deutschen Unternehmen – zumindest denen, die sich daran halten müssen – vorgibt.

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